Enges Tal und weite Welt

83 Leben in alter Zeit Die Bevölkerung Klima, Ernährungslage, Seuchen und Kriege sollten bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts die maßgeblichen Faktoren der Bevölkerungsentwicklung bleiben. In den fünf Jahrhunderten römischer Herrschaft war die Zahl der Menschen in Deutschland auf etwa 2 Millionen angestiegen. Der Niedergang des Weltreichs in der Zeit der Völkerwanderung führte zu einem starken Rückgang. Erst in der Karolingerzeit kehrte sich der Trend um: Von 650 bis 1000 konnte sich die Bevölkerungszahl auf 4 Millionen verdoppeln und in den folgenden 300 Jahren der mittelalterlichen Warmphase noch einmal um das 3,75-fache zunehmen. Jetzt lebten etwa 15 Millionen Menschen in Deutschland. Dann setzte im frühen 14. Jahrhundert eine lange Reihe von Missernten, Hungersnöten und Seuchen ein. Schon beim ersten Durchzug der Pest in den Jahren 1347 bis 1351 starb ungefähr ein Viertel der europäischen Bevölkerung. Weitere Pestwellen reduzierten sie bis etwa 1460 um insgesamt ein Drittel. In Deutschland waren die Verluste mit etwa 10 % allerdings deutlich geringer. Aber auch hier sank die Bevölkerungszahl stetig und erreichte zwischen 1400 und 1470 ihr Minimum von 10 Millionen. Erst um 1600 war der Stand von 1300 wieder erreicht. Der Dreißigjährige Krieg und die in seinem Gefolge auftretenden Seuchen brachten einen erneuten Einbruch. Deutschland und Europa verloren etwa ein Drittel der Bevölkerung. Erst am Ende des 18. Jahrhunderts stabilisierte sich das Klima und die Ernährungslage verbesserte sich langfristig. Die Zeit der großen Seuchen ging zu Ende. Für wenige Jahrzehnte herrschte verbreitet Frieden. Seither verzeichnet Europa ein unaufhaltsames Bevölkerungswachstum. Grafik: F.-J. Verscharen 0 20 40 60 80 100 500 700 900 1100 1300 1500 1700 1900 2100 Bevölkerung in Mill. Jahr Bevölkerungsentwicklung in Deutschland seit 650

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