Enges Tal und weite Welt

84 Das mittelalterliche Dorf Bevor zu Anfang des 19. Jahrhunderts die Industrialisierung auch in Deutschland Einzug hielt und immer mehr Menschen in die Städte zog, lebten etwa 85 – 95 % der Bevölkerung auf dem Land, sei es auf Einzelhöfen oder in Dörfern. Im Rheinland herrschte das Dorf als Siedlungsform vor. Nach ihrer Anlage unterscheidet man verschiedene Dorftypen. Große, geschlossene Straßen- und Haufendörfer sind charakteristisch für das Vorland und die früh besiedelten Randzonen der Eifel. In der Eifel selbst überwiegt die Form des unregelmäßigen Haufendorfs.117 Haufendörfer sind unplanmäßig angelegte, geschlossen bebaute Siedlungen mit unregelmäßigen Grundstücksgrundrissen unterschiedlich großer Höfe. Grundriss und Anlage der Straßen und Gassen sind unregelmäßig. Im Ortskern liegen die umzäunten Hofgebäude und die ebenfalls umzäunten Gärten. Das in große Gewanne eingeteilte Ackerland erstreckte sich um das Dorf herum. In jedem Gewann besitzt jeder Bauer einzelne Parzellen. Meist führen keine Feldwege dorthin. Eine Bewirtschaftung setzte folglich strenge Regeln über Zeiten der Aussaat und Ernte voraus. Für die Einhaltung der Bestimmungen sorgten die Hofgerichte. Im Sahrbachtal weist allein Kirchsahr die Merkmale eines Dorfes auf. In alter Zeit bestand es aus der Kirche, um die sich Pfarrhaus, Schule, der Stiftshof, eine Mühle und Hofstätten mit ihren Wohn- und Wirtschaftsgebäuden gruppierten. Winnen, Hürnig und der alte Kern von Binzenbach sind nicht über das Stadium eines Weilers hinausgekommen. Für eine dörfliche Siedlung fehlten den Ortsteilen die geschlossene Bebauung und Gebäude mit zentraler Funktion (Kirche, Gemeinde-, Rathaus). Burgsahr und die Mühle bestanden als Einzelhöfe. Reihen sich Häuser und Höfe entlang eines Bachs, Grabens oder Deichs, bezeichnet man sie als Reihendörfer. Liegen sie zu beiden Seiten entlang einer Straße, spricht man von einem Straßendorf. Auf den ersten Blick gleichen sich Reihen- und Straßendorf. Bei Reihendörfern liegen die Äcker und Gärten jedoch hinter oder vor den Hofstellen, während die Felder der Straßendörfer über die ganze Gemarkung verteilt sind. Weitet sich, wie in Maulbach, die Dorfstraße zu einem Platz, spricht man von einem Straßenangerdorf. Bei der reinen Form des Angerdorfs bildet ein im Gemeindebesitz befindlicher langrunder Platz mit einem Teich oder Brunnen in der Mitte den Mittelpunkt. Lanzerath weist Merkmale dieses Dorftyps auf.

RkJQdWJsaXNoZXIy MTM5Mjg=