85 Wohnen auf dem Land Die Landbevölkerung des Frühmittelalters lebte in ebenerdigen, meist einräumigen hölzernen Pfostenbauten. Bei diesem Haustyp waren die tragenden Holzteile in den Boden eingegraben. Unter den Bedingungen der damals großflächig (extensiv) geführten Feldwirtschaft boten diese Häuser den Vorteil, bei Erschöpfung des Bodens leicht abgebaut und an anderer Stelle wiederaufgebaut werden zu können. Mit dem Übergang zur intensiven, ortsfest betriebenen Landwirtschaft setzte sich im Hochmittelalter der Ständerbau durch. Jetzt standen die tragenden Holzteile auf Fundamentsteinen oder Schwellen und hatten damit eine wesentlich höhere Lebensdauer. Ständerbauten konnten zudem mehrgeschossig gebaut werden und boten mit einem Speicher Platz für die Ernte. Die Fachwerkbauweise mit einer Wandfüllung aus Lehm schützte nur mäßig gegen extreme Witterung. Die Fenster waren daher äußerst klein gehalten. Wände und Fußböden aus gestampfter Erde waren feucht. Zur Zimmerausstattung gehörten einfache Truhen, Kleider konnten auf einer Stange beim Herd getrocknet werden. Geschlafen wurde auf Stroh, das meist nicht einmal in Säcke gefüllt war. Betten und Matratzen kamen sehr viel später auf. Die Bauern des Sahrbachtals werden sich noch lange mit einer Ecke der Wohnstube begnügt haben, die Knechte schliefen in einer Art Verschlag. Die Bauern lebten, oft nicht einmal durch eine Wand getrennt, mit ihrem Vieh unter einem Dach. Erst seit dem 13. Jahrhundert trennte man Wohnbereich und Stallungen voneinander. In der Mitte des Wohnraums wurde auf ebenerdigen Mittelalterliches Grubenhaus Zeichnung: F. Leja, Heimatblätter Rosstal, Heft 27, 1993, I. Bauernhof im Mittelalter Gemälde von Friedrich Salzer (1827–1876) Quelle: Dr. Fischer Kunstauktionen Bau eines Hauses Heidelberger Handschrift des Sachsenspiegels (um 1216 – 1220), Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 164, Bl. 007r.
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