86 Feuerstellen gekocht. Der Rauch musste durch Türen, Fenster, kleine Schlitze oder Rauchklappen im Dach abziehen. Rauchabzüge kamen erst im Hochmittelalter auf. Auf dem Land blieb der Herd oft noch bis ins 17. Jahrhundert ohne Kamin. Die Küche verlagerte sich vom Wohnraum in den Eingangsbereich des Hauses (Flurküche). Die Dächer waren noch im 19. Jahrhundert üblicherweise mit Stroh gedeckt und damit extrem feuergefährdet. 1677 richtete ein Feuer großen Schaden an der Kirche an118, 1743 zerstörte ein Feuer die Pfarrerwohnung, am 2. Januar 1838 brannten innerhalb weniger Stunden die Höfe von Johann Weber in Binzenbach und Johann Michael Simon in Winnen.119 Auch Schäden durch Wasserfluten, sei es durch den Hochwasser führenden Sahrbach oder von den Hängen kommende Sturzbäche, scheinen in Kirchsahr nicht selten gewesen zu sein. Im Laufe der Zeit entwickelten sich die unterschiedlichsten Hoftypen. Im nördlichen Teil der Eifel gruppierten sich die Gebäude meist um einen Innenhof, der zur Straße hin durch eine Mauer mit Durchfahrtstor abgeschlossen war. Im Innern der Eifel überwog der offene Winkel- und Mehrkant-Hof, bei dem der Hofplatz offen zur Straße lag. Verbreitete Bauform kleinbäuerlicher Betriebe wurde der Zweiseithof, bei dem die Wohn- und Wirtschaftsgebäude mit übereck laufender Firstlinie annähernd rechtwinklig zueinanderstehen. Erhalten geblieben ist dieser Bautyp im Binzenbacher Bauernhof, der im Mai 1961 niedergelegt und ein Jahr später im Rheinischen Freilichtmuseum Kommern wiederaufgebaut wurde. Eine Inschrift im Türsturz des Wohngebäudes nennt 1686 als sein Entstehungsjahr. Das eineinhalbstöckige Gebäude ist Zum 26. und 27. Juli 1795 notierte der damalige Pfarrer ins Kirchenbuch: „Am 26. und 27. Juli des Jahres 1795 geschah eine noch nie gehörte Überschwemmung, dass das Wasser bis in die Küche des Pfarrhauses stieg“. Damals lag das Pfarrhaus unmittelbar an der linken Bachseite. (BAT, Abt. 72, Nr. 380/1 und 2.) Der 1841 geborene Hubert Zavelberg konnte sich 1919 an eine Überschwemmung im Jahr 1850 erinnern. (Pfarrarchiv Kirchsahr, Nr. 87) In jüngerer Zeit traten Hochwasser in den Jahren 1960 und 1984 auf. Der Binzenbacher Hof auf einer Briefmarke der Deutschen Bundespost von 1995 Foto: F.-J. Verscharen Der Binzenbacher Hof kurz vor seinem Abbau im Mai 1961 Foto: LVR, Rheinisches Freilichtmuseum Kommern
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