Enges Tal und weite Welt

88 Weidewirtschaft und Waldmast erlaubte einen relativ hohen Fleischkonsum. Mit der Ausdehnung des Ackerbaus ging er im Hochmittelalter merklich zurück. Fleisch war selbst an Feiertagen selten. Die ärmere Bevölkerung musste sich dabei vor allem mit den Innereien begnügen. Gab es Fleisch, war es entweder fettes Schweinefleisch, Schaf- oder Ziegenfleisch. Rinder wurden als Arbeitstiere gehalten und nur als Alttiere geschlachtet. Geschlachtet wurde im Spätherbst, denn nur wenige Haustiere konnten über den Winter durchgefüttert werden. Wild war allein dem Adel vorbehalten. Als Fische kamen für die Bauern nur Forellen und Neunaugen aus den heimischen Gewässern infrage. In den rheinischen Städten waren Salzheringe verbreitet. Alle Speisen wurden mit heimischen Kräutern wie Beifuß, Bohnenkraut, Dill, Estragon, Fenchel, Kerbel, Knoblauch, Koriander, Kümmel, Lavendel, Liebstöckel, Minze, Petersilie, Pfefferkraut, Rosmarin, Salbei, Schalotten und Thymian reichlich gewürzt. Ingwer, grüner Pfeffer, Gewürznelken, Kardamom, Zimt, Muskatblüten und Muskatnuss aus Ostasien und Safran aus den Mittelmeergebieten waren als Gewürze nur in den Küchen der Schlösser, Burgen und Patrizierhäusern zu finden. Zum Süßen stand bis ins Spätmittelalter hinein allein Honig oder eingedickter Birnensaft zur Verfügung. Der teure Rohrzucker kam im 13. Jahrhundert auf. Das Fleisch wurde durch Trocknen, Räuchern oder Einsalzen haltbar gemacht. Getrocknet wurden vornehmlich mageres Fleisch, Fisch, Erbsen, Linsen, Äpfel, Birnen, Weinbeeren und Kirschen. Würste, fettes Fleisch und Fisch hing man in den Rauchfang der Kochstelle. Seefisch, dicke Bohnen, aber auch Fleisch und Erbsen wurden eingesalzen. Kohl wurde als Sauerkraut haltbar gemacht und Früchte wurden Bauer bei Tisch Holzschnitt von Hans Weiditz: Von schmaler Nahrung (aus: Francesco Petrarca, Von der Artzney bayder Glueck, Augsburg 1532.) Bauernpaar mit Gans O. Henne am Rhyn, Kulturgeschichte des deutschen Volkes. Band 1, Berlin 1897, S. 337.

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