Enges Tal und weite Welt

89 eingekocht. Eine weitere Möglichkeit der Konservierung war das Beizen von Fleisch und Fisch mit Essig oder Wein. Die Möglichkeit, Lebensmittel über längere Zeit haltbar zu machen, war jedoch eng begrenzt. Im Frühjahr herrschte daher nicht selten akuter Nahrungsmangel. Die Erträge der Landwirtschaft schwankten stark. Im Frühmittelalter brachte eine Getreideernte nur das Doppelte der Aussaat ein. Eine Hälfte konnte verzehrt werden, die andere Hälfte diente als Aussaat für das nächste Jahr. Der schmale Vorrat erlitt durch Fäulnis, Schimmel und Schädlingsfraß weiteren Schwund. In Notzeiten waren die Vorräte schnell aufgebraucht. Wenn das Saatgetreide angegriffen wurde, war die Katastrophe für das folgende Jahr vorgezeichnet. Im Hochmittelalter brachte die Aussaat eine vierfache Ernte, bis zum 15. Jahrhundert stieg der Durchschnittsertrag in günstigen Lagen auf das Zehnfache. Heute liegt dieser Wert bei 25 – 30. Hauptursache für den geringen Ernteertrag war der Mangel an Dünger. Der Viehdung reichte gerade für die kleinen Gärten aus. Im Hochmittelalter muss die Ernährungslage dennoch allgemein gut gewesen sein. Erst die starken Klimaschwankungen des 15. bis frühen 17. Jahrhunderts ließen Missernten und Hungersnöte zu regelmäßigen Erscheinungen werden. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stabilisierte sich in Deutschland die Ernährungslage. Inzwischen hatte sich die Kartoffel allgemein als Hauptnahrungsmittel durchgesetzt. Durch sie erhöhte sich der Nährwert um das Zehnfache. Kartoffelanbau ist für Münstereifel erstmals 1774 nachgewiesen120 und man wird annehmen können, dass sie über den Stiftshof bald auch Einzug ins Sahrbachtal gefunden hat. Aber erst die Hungersnot von 1816/1817 verhalf ihr zur allgemeinen Verbreitung. Gesundheit und Krankheit Ganz unmittelbar kamen gute oder schlechte Ernährungslagen im Erscheinungsbild der Menschen zum Ausdruck. Skelettfunde zeigen über die Jahrhunderte hinweg stets den gleichen Befund. Im Frühmittelalter erreichten die Menschen eine Durchschnittsgröße von etwa 170 cm. Die Nahrung war zu dieser Zeit reich an tierischem Eiweiß. Im 11. und 12. Jahrhundert, dem Hochmittelalter, stagnierte das Wachstum jedoch. Die ungünstige Ernährungslage des Spätmittelalters bewirkte schließlich sogar einen deutlichen Rückgang der Durchschnittsgröße. Zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert waren die Männer durchschnittlich nur noch etwa 169 cm und Frauen 156 cm groß. Erst im späten 19. Jh. kehrte sich der Trend wieder um. Heute sind die Frauen Bäcker Das Ständebuch. 114 Holzschnitte von Jost Amman mit Reimen von Hans Sachs. Insel Verlag, Leipzig, o.J., Abb. 41.

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