Enges Tal und weite Welt

94 Die Pfarre Kirchsahr Die Anfänge von Pfarre und Kirche Eine Kirche ist in Kirchsahr bereits für die Zeit um 1105 anzunehmen. Allein schon das Martinspatrozinium ist Hinweis auf ein hohes Alter. Mit Sicherheit kann man aber ausschließen, dass schon zur Zeit der Ersterwähnung eine Kirche bestanden hat. Nach Eigenkirchenrecht hätte das Kirchsahrer Ehepaar, Arnulf und Alverada, zwar eine Kirche auf seinem Land errichten können, dazu hätten es aber auch die Mittel zur Unterhaltung des Gebäudes und eines Priesters aufbringen müssen. Um 948/964 waren die zwei aber offensichtlich nicht einmal mehr in der Lage, ihren freien Stand zu behaupten. Außerdem hätte der mit dem Kloster geschlossene Vertrag mit Sicherheit eine bestehende Kirche genannt. Der erste sichere Beleg stammt aber erst aus dem Jahre 1302.122 Ein älterer Beleg von 1266123 ist nicht sicher, aber wahrscheinlich.124 Die Urkunde nennt die acht, dem Stift Münstereifel von Prüm zusammen mit den Zehnten überlassenen Mutterkirchen. Unter ihnen wird neben der Stiftskirche, Kirspenich, Wichterich (Wetirike), Wissersheim (Wisirsheim), Rheinbach, Vischel (Wissele) und Kreuzweingarten (Wingardin) auch die in Sarne genannt. Schon die 1222 verfasste Randbemerkung zum Prümer Urbar verweist auf diese acht Kirchen, führt aber nur Rheinbach namentlich auf.125 Caesarius von Millendonk sah bei der Abschrift des Urbars noch diese enge Bindung an das Prümer Kloster und ließ daher die mit der Gründung des Klosters Münstereifel eingetretenen Veränderungen unerwähnt.126 Die noch 1266 unveränderte Zahl von acht Mutterkirchen spricht damit für die Einrichtung einer Pfarrkirche in Kirchsahr noch vor 1222. Solche Mutterkirchen waren Pfarrkirchen, denen selbst wieder Kirchen oder Kapellen als sogenannte Filialen unterstanden. Für Kirchsahr war es bis 1694 die Kirche in Effelsberg127 und die 1720 in Plittersdorf erbaute und 1752 eingeweihte Kapelle.128 Effelsberg zahlte den Kirchenzehnt je zur Hälfte an Kirchsahr und das Stift. Dafür musste der Pfarrer von Kirchsahr mittwochs und freitags und in vierzehntägigem Wechsel mit dem Stift auch an Sonntagen die Messe in der Effelsberger Kirche lesen. Schon vor 1536 scheint der Pastor von Kirchsahr einen Kaplan mit der Wahrnehmung der priesterlichen Aufgaben in Effelsberg beauftragt zu haben.129 Erst seit 1694 bildete Effelsberg mit Scheuerheck und Hahn eine eigene, dem Stift inkorporierte Pfarre.130 Die Kapelle in Plittersdorf nach der Erweiterung von 1927 Franz-Werner Bungart, Geschichtliches über Plittersdorf, S. 94.

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