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AD

A

ACHEN

05/17

E

rfolgreich, innovativ, ausgefüllt, konzentriert, vielfältig, enttäuschend:

In diesen Worten fasst Kazem Abdullah seine Zeit als Aachens

Generalmusikdirektor zusammen. Dass sich da auch ein negativer

Begriff eingeschlichen hat, unterstreicht, dass sein Abschied nach

fünf Jahren gleichermaßen Freud und Leid für den US-Amerikaner

mit Wurzeln in Sierra Leone bedeutet. Zur Freud trägt die Entwick-

lung

seines

Sinfonieorchesters bei: „Es ist flexibler, sensibler als zuvor,

der Klang ist voller. Gerade in den vergangenen zwei Spielzeiten

hatten wir viele Gäste, die richtig überrascht waren, wie gehaltvoll

und präzise das Orchester zu spielen imstande ist.“

Leid hingegen hat manche Diskussion beschert, in der er seine

Position aus Sicht eines Kulturschaffenden verteidigt hat, statt poli-

tisch zu denken. Vielleicht hat ihn das zu der Entscheidung geführt,

dass er sich bis auf Weiteres ganz der Musik widmen will: „Eines

Tages will ich wieder eine Festanstellung, wenn alles passt“, sagt er,

ist für den Moment jedoch zufrieden damit, bald freiberuflich in den

USA und Europa unterwegs zu sein. „Nach einer dringend benötig-

ten Sommerpause führt mein erstes Engagement mich im Septem-

ber ausgerechnet nach Miami Beach. Darauf freue ich mich schon!“

Zunächst aber steht diesen Monat seine vorerst letzte Premiere

am Theater Aachen an: „

Ariadne

ist so besonders, weil sie unsere

Arbeit und uns Menschen, die sie tun, zum Thema hat“, macht er

auf „einige der schönsten Melodien, die Strauss je geschrieben hat“,

neugierig. An dem Abend „werde ich glücklich und traurig sein“,

prophezeit er. Wobei das erst der Anfang vom Abschied ist: „Es freut

mich, dass Frank Kemperman vorgeschlagen hat, dass

Pferd & Sinfonie

(Fr./Sa., 14./15. Juli) ein Tribut und Lebewohl für mich sein darf.“

Der ALRV-Chef ist einer von vielen Unterstützern, bei denen Abdullah

sich von Herzen bedankt: „Und bei allen Freunden – und dem Publi-

kum! Ein solch ehrliches, förderndes gibt es weltweit nicht oft.“ pak

Die Premiere von Richard Strauss’ Ariadne auf Naxos ist So., 14. Mai,

18 Uhr, im Theater. Tickets: Tel. 02 41/47 84-244 ·

theateraachen.de

Wie genießen Sie Ihren letzten Sommer in Aachen?

Ich dirigiere viele Vorstellungen und bin vorrangig darauf fokussiert.

In dem bisschen Freizeit, das bleibt, koste ich mit Freunden die

Vorzüge meiner Dachterrasse mit großartigem Blick über Aachen aus.

Nach fünf Jahren in der Kaiserstadt: Welche drei Dinge mögen

Sie besonders, welche drei würden Sie am liebsten ändern?

An Aachen liebe ich Aachen am meisten, so viel vorweg. Zu den drei

Dingen: die schöne Stadt mit ihrer überall sichtbaren Geschichte,

die kulturelle Vielfalt der Region und die weltoffenen Menschen, die

sich von ihrer Umgebung inspirieren lassen. Ändern würde ich, dass

Kultur und Bildung noch enger zusammenarbeiten, dass, wenn die

Politik über Kultur diskutiert, tatsächlich Kultur und nicht Politik

diese Diskussion bestimmen sollte. Und dann die Verkehrslage in der

Rush Hour

… – mehr dazu muss ich wohl nicht sagen.

Welche persönliche Entwicklung haben Sie in dieser Zeit gemacht?

Ich bin reifer und damit ein bisschen weiser geworden, habe mir ein

dickeres Fell zugelegt. Als Musiker und Dirigent bin ich gewachsen.

Ich habe gelernt, was es heißt, darüber hinaus Generalmusikdirektor

zu sein, und bin dankbar, dass Aachen mir die Chance gegeben hat.

Wenn Sie in fünf weiteren Jahren aus der Ferne auf Aachen

schauen, was möchten Sie dann sehen?

Entschlossenen Einsatz von Stadt und Bürgern für das Sinfonie-

orchester und das Theater mit ihren reichen Traditionen.

Was wünschen Sie sich für Ihre eigene Zukunft – beruflich, privat?

Ich arbeite künftig frei als Gastdirigent, was gut ist, weil ich mich

dann vornehmlich auf das konzentrieren kann, was ich liebe: Musik

machen. Ich kann auf meine professionellen Netzwerke aufbauen und

diese erweitern. Persönlich möchte ich einen passenden Weg finden,

mich in Afrika zu engagieren und in dieses Land zu investieren.

VORGESTELLT

Foto: Theater Aachen

FRAGE

BOGEN

Geburtsdatum: 4. 7. 1979

Geburtsort: Indianapolis/USA

Familienstand: vergeben

Beruf: Musiker und Dirigent

Hobbys: Mountainbiking,

Lesen, Kochen

Kazem

Abdullah

Abschied mit Freud & Leid

Die Zeit des Generalmusikdirektors in Aachen ist begrenzt, sein Dank unendlich